Übertrieben Untergrund
by Hoontzey & Gavin Sense

Irgendwo zwischen Yard und Pinte, zwischen klassisch und progressiv, Sturmhaube und Überwachungskamera, 90er-Jahre-Jamtravelling und Erwachsensein. Farbgetränkt, aggressiv, kritisch, roh. So lässt sich wohl das beschreiben, was die beiden Osnabrücker Hoontzey und Gavin Sense da zusammengetragen haben. Oder knapp gesagt: Übertrieben Untergrund.

Zwar haben beide das jugendliche Alter bereits hinter sich gelassen, doch wird ihre Musik dadurch nicht minder frisch. Im Gegenteil, viel eher merkt man Reife und Skills in den Tracks. Ernsthaftigkeit, ohne spießig zu werden, denn gesoffen und getaggt wird auf dieser Scheibe immer noch mehr als genug. Nur sind die beiden eben keine Toys mehr an Tresen oder Wand. Genauso wenig wie an Mic und Turntables: Hoontzey versteht es über den Takt mit deutlichen Ansagen zu gehen. Immer noch mit der nötigen Kampfeslust und Mittelfinger. Gavin hingegen trägt seinen Teil durch durchproduzierte Tracks bei. Als Teil der Crew 33 Funk kann er auf eine gewisse Erfahrung an den Wheels of Steel zurückblicken. Klanggebilde mit rotem Faden, rauen Drums, mit vibrierendem Bass gepaart mit Scratches in alter Manier. So wie früher, aber eben auch nicht. Überhaupt kommt das Album ohne Melancholiegeblubber über die ach so guten alten Zeiten aus, auch wenn beide Protagonisten schon seit Mitte der 90er Jahren mit von der Partie sind.

So ist auch die Wahl der Gäste, die sich auf dem elf Tracks starken Album tummeln keine Überraschung, sondern eine bewusste Entscheidung: Mit Steveski ist ein alter Bekannter in Sachen HipHop aus Osnabrück vertreten. Im Stadtteil Wüste aufgewachsen – wenn man so will die Keimzelle der hiesigen Kultur – verbindet ihn mit dem Duo nicht nur eine Freundschaft, sondern auch eine gemeinsame Geschichte in Sachen Rap. Mindestens genauso relevant ist hierbei Basti MC. Als Bestandteil der gemeinsamen Crews rundum das Dach der Szene Musik Osnabrück – 851 und DWW seien hier erwähnt – gehört er nach wie vor fest zur künstlerischen Entwicklung der beiden hinsichtlich aller uns bekannten HipHop-Elemente. Tim Jong-il vertritt eine jüngere Fraktion von Künstlern, die die Hasestadt hervorgebracht hat, der jedoch durch Attitüde und Aussage ebenfalls ins Konzept des Gesamtwerkes passt.

Kein Autotune also, aber auch kein back in the days, kein Schwarzweiß eben, sondern die „Leidenschaft für Farbe überhaupt“, um Hoontzey zu zitieren. Das Duo ist komplett und so ist auch ihr Album. Durchdacht, umfänglich, kompromisslos. HipHop halt, ohne Wenn und Aber.

TEXT : Tim Jong-il
credits
released December 21, 2019

Alle Texte von Hoontzey, Tim Jong-il, Steveski, Basti Mc

Alle Beats und Scratches von Gavin Sense

Aufgenommen , Gemischt , Gemastert von Gavin Sense in

“The Triangle”